Zwei Kilometer hinter dem Hamburger Hafen, im Mühlenberger Loch, unterhalb des Blankeneser Hirschparks liegt der Mühlenberger Segel-Club. Eine kleine Idylle, mittendrin und doch gefühlt weit weg vom Großstadttrubel Flussaufwärts. Hier beginnt 2008 die Segelkarriere von Marla Bergmann und Hanna Wille. Die damals siebenjährige Marla Bergmann war kurz zuvor aus Berlin nach Hamburg gezogen und hatte in der Schule Hanna Wille kennengelernt.
Aus Klassenkameradinnen wurden Freundinnen, die schließlich gemeinsam im MSC das Segeln lernten. Mit Blick auf das Airbus-Gelände auf der anderen Uferseite übten Marla Bergmann und Hanna Wille hier zunächst im Optimisten und dann im 420er. Nach einer kurzen Übergangszeit mit unterschiedlichen Partnerinnen wurde aus Freundinnen ein Segelduo. 2021, die beiden Hamburgerinnen hatten sich gerade zu U21-Weltmeisterinnen gekrönt, entschieden sie sich, das Segeln zur Priorität zu machen. Seitdem steht der Sport über der Freizeit und auch über dem Studium. Hanna Wille studiert Biologie, Marla Bergmann studiert Medizin, aktuell „aber auf Sparflamme“, so Bergmann.
Nur so blieb genug Zeit für die erste gemeinsame Olympia-Kampagne. Eigentlich sollte die Qualifikation für Paris vor allem eine wichtige Erfahrung auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 sein. Doch in kurzer Zeit konnte das Duo sich stark verbessern und hatte plötzlich realistische Chancen bereits bei den Olympischen Spielen 2024 vor Marseille die Segel zu setzen. Aus einzelnen Vorstößen in die Weltspitze wurden regelmäßige Top-Platzierungen bei den wichtigsten Regatten. Bei der Last Chance Regatta vor Marseille konnten Marla Bergmann und Hanna Wille den deutschen Quotenplatz für die Spiele in Paris ersegeln. In einem Krimi setzte sich das Duo schließlich auch gegen die nationale Konkurrenz durch und sicherte sich so das Paris-Ticket.
Für ihr größtes bisheriges Segelabenteuer musste natürlich ein nagelneues Boot her, bisher nutzte das Duo eine Jolle, die ihnen von den Bronze-Medaillen-Gewinnerinnen von Tokio, Susann Beucke und Tina Lutz, überlassen wurde. Für die Taufe ihres Olympia-Boots, soviel war klar, sollte es dahin zurückgehen, wo alles angefangen hat.
So tauften Bergmann/Wille an einem sonnigen Donnerstagabend im familiären Umfeld ihres Heimatclubs ihr neues Boot auf den Namen „Merci“. Merci, das ist zum Einen eine Hommage an alle, die die beiden Hamburgerinnen auf ihrer Reise begleitet haben und weiterhin begleiten: „Wir sind unglaublich dankbar für die Unterstützung, die uns geholfen hat, um an diesen Punkt zu kommen. Merci drückt die Dankbarkeit aus und nimmt so alle mit, die bei dem Projekt dabei waren und uns unterstützt haben.“
Da wäre die erste Segeltrainerin, die dem Duo als Kinder auf der Elbe das Segeln beigebracht hat. Der Vereinsvorsitzende, der das Boot auf dem eigenen Privatgrundstück geparkt hat, damit ja nichts kaputtgeht und natürlich die eigenen Familien, die sie immer unterstützt haben und die von den Vätern als Taufpaten repräsentiert wurden.
Zum anderen ist Merci auch eine Kampfansage: „Wenn wir an jemandem vorbeifahren, ist Merci der Dank, dass sie uns vorgelassen haben“, erklärt Marla Bergmann mit einem Augenzwinkern. Gesegelt ist das Duo das Boot noch nicht, nach der Taufe hat sich die Merci noch in der Nacht auf dem Anhänger des MSC auf den Weg nach Marseille gemacht.
Position, Firma
Sportart: Segeln, 49er FX
Geburtstag: 27.01.2001
Verein: Mühlenberger Segelclub e.V.
„Es wäre auch möglich, eine Medaille zu holen. Sag niemals nie.“
Position, Firma
Sportart: Segeln, 49er FX
Geburtstag: 16.09.2001
Verein: Mühlenberger Segelclub e.V.
„Wir wissen, dass wir vorne Mitsegeln können.“
Dort, im Süden Frankreichs, wollen Bergmann/Wille bei den olympischen Segelwettkämpfen dafür sorgen, dass ihr Gruß an die Gegnerinnen häufig wahrgenommen wird: „Wir wissen, dass wir vorne Mitsegeln können, dass wir in manchen Bedingungen Weltspitze an Speed haben und das auch können, ganz vorne mitzufahren“, so Bergmann, „Ich glaube, wir haben eine sehr, sehr gute Position, weil von uns nichts verlangt wird. Viele der Athletinnen werden Medaillendruck und Performance-Druck verspüren und den haben wir halt nicht.“
Sich selbst hat das Duo das ambitionierte Ziel gesteckt, die Olympischen Spiele unter den ersten Zehn zu beenden. „Wir wollen möglichst die ganze Erfahrung mitnehmen, die man machen kann, inklusive Medal-Race“, sagt Hanna Wille und ergänzt: „Aber es wäre auch möglich, eine Medaille zu holen. Sag niemals nie.“
Profitieren könnte das Duo dabei in Marseille auch von ihren Segelerfahrungen auf der Elbe. In beiden Revieren können Windstärke und -Richtung stark variieren. Möglicherweise ein Vorteil, in Hamburg meistern Marla Bergmann und Hanna Wille diese Bedingungen schließlich schon seit 15 Jahren.